Warum man an’s FIFF zurückkehrt

Jedes Jahr vergössert sich die Familie

Die Kinoindustrie versucht an Festivals eine Trennung zwischen dem Publikum und den geladenen Filmschaffenden zu erzeugen. Ganz so, als ob das Kino von Göttern gestaltet wird, welche von ihren Wolken herab steigen, um normal Sterblichen das eine oder andere Autogramm zu geben.

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Quelle: © Nicolas Brodard

2012 habe ich dem iranischen Filmemacher Mohammad Rasoulof anvertraut, dass ich erstaunt war, als er die Einladung ein Teil unserer Internationalen Jury zu sein, angenommen hat, schliesslich war er ein sehr gefragter Mann. Er hat mir geantwortet: “ Ich habe mich für Freiburg entschieden, weil ich das Gefühl hatte, aus guten Gründen eingeladen worden zu sein.” Gute Gründe? Er präzisierte: “Du kannst dir nicht vorstellen bei wievielen Festivals wir einfach nur im Hotel abgestellt werden, bis die Vorführung unseres Films startet, der Interview-Marathon los geht oder man offizielle Fotos mit den Sponsoren oder dem künstlerischen Leiter machen muss. In Freiburg ist das anders, hier kann man jeden und alles kennenlernen.”

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Quelle: © Nicolas Brodard

2013 habe ich das noch besser verstanden. Der Regisseur des Eröffnungsfilms, Bekas, Karzan Kader machte während den ersten Stunden des Festivals den Anschein etwas verärgert zu sein. Nachdem ich mich nach seinem Wohlbefinden erkundigt hatte, erfuhr ich, dass er im Glauben daran im Hotel abgestellt zu werden, sich einen Hals voll Arbeit mitgenommen hatte, die er erledigen wollte. Allerdings hatte er schnell gemerkt, dass er nicht einen winzigen Teil seiner Zeit in Freiburg für diese Arbeit aufwenden würde. Denn am FIFF, sorgen wir uns nicht nur um perfekte Projektionen und die offiziellen Momente, vielmehr wollen wir unseren Gästen auch in hinter den Kulissen gute Gastgeber sein. Wir laden sie ein unsere Region kennenzulernen, gemeinsamen Mittag zu essen (ach, das Fondue im Moléson!) und sich kennenzulernen. Letztes Jahr sind die Festivalbesucher und Stammgäste des Ancienne Gare wieder gekommen, weil sie sehen wollten wie Charles Aznavour genauso wie sie im Ancienne Gare sitzt und Abendbrot isst oder Eric Cantano bis in die Morgenstunden tanzt.

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Quelle: © Alain Wicht

Die VIP’s, der rote Teppich, die Abschrankungen erzeugen eine künstliche Distanz. Und obwohl ich es schon ein paar Mal bereut habe für den renommierten Eric Cantona keine Leibwächter organisiert zu haben (zur Strafe konnte ich meine blauen Flecken am Rücken zählen) muss ich sagen, dass es lohnt sich. Ich vertraue auf die typische Freiburger Einfachheit und abgesehen von dem Glück, dass man unseren Gästen von den Gesichtern ablesen kann, bleiben wir auch mit dem einen oder anderen nach dem Festival in Kontakt. Es ist wie eine Familie, die sich um das Festival herum, zwischen den Gästen, dem Team und der Öffentlichkeit bildet. Eine Familie die sich auch dieses Jahr wieder vergrössern wird – und darauf freue ich mich!

 

Autor

Thierry Jobin

Thierry Jobin ist künstlerischer Leiter des Fribourg Film Festivals (FiFF). Sein Herz schlägt neben dem Film für seine Kinder und Freiburg. Sie können Thierry Jobin auch auf Twitter & Facebook folgen. 

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