1. Cave de l’hôtel de ville – Das Rad auf einer Reise durch die Zeit

Folgen Sie dem Rad von Rue durch die Geschichte, von der Römerzeit bis zum Durchzug der napoleonischen Truppen.
Rue, die kleinste Stadt Europas, verdankt ihren Status der Anerkennung durch den Grafen Peter II. von Savoyen, der ihr 1260 die Stadtrechte verlieh sowie das Recht, Steuern und Abgaben zu erheben. Das Schloss der Stadt diente als Herrensitz, in den Strassen reihten sich zahlreiche Wirtshäuser und Geschäfte aneinander, und jeden Monat fand ein Markt statt. Zuvor war das kleine Städtchen sogar der Hauptort des Bezirks Rue, dessen Präfektur sich im Schloss befand. Schon im Jahr 1000 ist das Rad das Wappen der Herren von Rue. Dieses Symbol wird Sie auf dem gesamten Rundgang der Geheimnisse® leiten. Finden Sie das Rad in diesem Raum, damit können Sie die Zeitreisemaschine aktivieren. Gute Reise!
ERZÄHLE MIR DIE GESCHICHTE VON RUE…
In der Zeit zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. ist das Land von den Römern besetzt. Das Gebiet ist zu jener Zeit in fünf römische Provinzen unterteilt und von wichtigen Verkehrswegen durchzogen. Der Name von Rue leitet sich ab von den lateinischen Begriffen «ruga» für «Strasse» oder «Verkehrsweg» und «rota» für «Rad».
Eine der drei bedeutendsten Städte ist Aventicum (Avenches), wo auch heute noch Spuren dieser Zeit erhalten sind, insbesondere das Amphitheater.
Um das Jahr 223 errichten die Römer das erste Steinbauwerk von Rue, den Bergfried.
Am 2. März 1797 durchqueren die Truppen von Kaiser Napoléon Bonaparte die Stadt Rue mit rund 6’000 Mann und 16 Kanonen, um Freiburg einzunehmen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat Rue etwa 500 Einwohner. Der Sohn des Besitzers von Schloss Rue, Ferdinand Ferber, führt den in Europa ersten Flug mit einem Luftfahrzeug durch und überfliegt die Stadt, von wo er einige Jahre zuvor seine ersten Tests mit Flugmaschinen unternommen hatte.
Heute zählt die Stadt mehr als 1’500 Einwohner. Das Gemeindegebiet umfasst auch die Dörfer Blessens, Gillarens und Promasens.
2025 werden die Gemeinden Auboranges, Chapelle, Ecublens und Rue zusammengelegt unter dem Namen Rue. Dann wird Rue die drittgrösste Gemeinde des Glanebezirks.
2. Cave du château – Menschliche wärme

Die Stadt wird vom Feind erstürmt! Suchen Sie schnell Zuflucht im Keller des Schlosses, wo sich die Bewohner der mittelalterlichen Stadt versammelt haben…
Wir sind im Mittelalter und schon lange wüten Kriege in der Region. In unseren Wäldern halten sich Räuber versteckt, die kleinen Grundherren wollen unsere Ländereien, und Plünderer haben es auf unser Hab und Gut abgesehen.
Das Schloss wurde in der Vergangenheit bereits eingenommen und zerstört, aber wir haben es noch wehrhafter wiederaufgebaut.
Unsere Späher berichten uns, dass der Graf Peter IV. von Greyerz mit 150 seiner Männer in Richtung von Rue marschiert. Möglicherweise werden sie versuchen, das Schloss einzunehmen. Sollen sie doch kommen! Wir sind bereit, sie zu empfangen, mit gespannter Armbrust und gezücktem Schwert… Die früheren Kellerräume des Schlosses, in denen Sie sich befinden, dienen der Bevölkerung bei einem Angriff als Zufluchtsort
ERZÄHL MIR VOM RUE SCHLOSS…
Das Schloss von Rue und sein Herr Rodolphe de Rue, Vasall der Grafen von Genf, wurden 1152 erstmals urkundlich erwähnt. In der Festung gab es drei Unterkünfte. Der viereckige Bergfried scheint auf diese Zeit zurückzugehen.
Von 1235 bis 1237 wurden die Festungsanlagen zerstört und 15 Jahre lang war ihr Wiederaufbau verboten. Peter von Savoyen, der zu dieser Zeit über das Waadtland herrschte, liess das Schloss
zwischen 1260 und 1268 wiederaufbauen und ernannte einen Kaplan zum Vasallen von Savoyen. Die Gebäude wurden während der Burgunderkriege 1476 praktisch zerstört. Von 1619 bis 1673 wurde das höchstwahrscheinlich stark in Mitleidenschaft gezogene Schloss wiederaufgebaut und es wurde insbesondere ein Gefängnis darin eingerichtet. Freiburg stellte es seinen Vögten, dann bis 1848 einen Präfekten zur Verfügung.
Am 25. Februar 1856 versteigerte der Staat das Schloss bei einer Auktion. Mehrere Besitzer wechselten sich ab. Zurzeit befindet sich das Schloss in Privatbesitz.
Im Inneren des Hofes steht ein kleines Gebäude mit dem Springbrunnen. Die aktuelle Steinbrücke hat die mittelalterliche Zugbrücke ersetzt, der Teich wurde vom letzten Präfekten von Rue vor 1848 angelegt.
3. Donjon – Das Refugium der Haexe

Oh wie unvorsichtig! Noch haben Sie die Möglichkeit kehrtzumachen. Denn in diesem Bergfried versteckt sich eine schreckliche Hexe namens Mia Varmy. Es heisst, sie habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, nahe der Grotte von Rue. Ihr Zauberbuch enthält magische Formeln, mit denen sie das Vieh zu Tode kommen lassen oder Menschen krank machen kann.
Sie glauben mir nicht? Aber doch, ich schwöre Ihnen, dass es stimmt! In der Stadt sagen das alle…
ERZÄHLE MIR ETWAS ÜBER MIA VARMY…
Am 1. März 1634 beginnt der Prozess wegen Hexerei gegen Mia Varmy, der sich über mehrere Tage hinzog. Die Leitung übernimmt der achtbare, weise und bedächtige Herr Jost Ammann, Freiburger Bürger und Vogt von Rue. Unter der Folter gesteht sie, dass sie dem Teufel mit Namen Gabriel begegnet ist und mit ihm einen Pakt geschlossen hat. Sie habe an nächtlichen Tänzen um ein Feuer teilgenommen, nahe der Brücke über die Broye in Richtung Montet, Fleisch von Tieren gegessen und dazu Cidre und Likör, auch Branntwein genannt, getrunken.
Als man sie zum dritten Mal foltert, indem man sie mit einem 100 Pfund schweren Gewicht aufhängt, gibt sie zu, dass sie den Tod von Kühen, Kälbern und Ziegen herbeigeführt habe. Sie habe sich auf Befehl des Teufels in einen Wolf verwandelt, um Vieh zu verschlingen.
Am 15. März 1634 wird sie durch Schiedsspruch dazu verurteilt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. Man setzt die Folterzange noch an zwei empfindlichen Stellen an, um ihre letzten Geständnisse und die Namen ihrer Komplizen zu erhalten. Schliesslich wird sie am 20. März 1634 auf dem Hügelgrab beim Ort namens Fin des Fourches hingerichtet. An der Stelle pflanzt man einen Kastanienbaum, der aber nicht wächst.
Der Legende nach soll es heute noch zwei Höhlen geben, die versteckt im Wald liegen und vor sehr langer Zeit von einem dort entlangfliessenden Fluss ausgehöhlt wurden. Diese Höhlen nennt man die «Hexenhöhle» und das «Teufelsloch». Wehe den Kindern, die sich dorthin wagen!
ERZÄHL MIR VON DER HEXENJAGD
Die Schweiz war zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert einer der gewalttätigsten Brennpunkte der Hexenverfolgung in Europa. Betroffen waren vor allem Frauen. Meist handelte es sich um Witwen, ältere, unverheiratete oder sozial isolierte Frauen. Frauen, die Pflegeberufe ausübten, wie Hebammen, Heilerinnen oder Kräuterkundlerinnen, waren besonders anfällig für Anschuldigungen, vor allem bei medizinischen Misserfolgen oder in Krisenzeiten wie Epidemien oder Missernten.
Hexerei diente in einer von Angst, Religion und Patriarchat geprägten Gesellschaft vor allem als Instrument der sozialen und geschlechtsspezifischen Kontrolle. In der Schweiz, insbesondere im Kanton Freiburg, basierten die Anschuldigungen auf alltäglichen Praktiken, die als teuflisch umgedeutet wurden.
Folter wurde systematisch eingesetzt, um Geständnisse für unmögliche Taten (Nachtdiebstahl, Sabbat, Verwandlung in ein Tier) zu erpressen. Angesichts dieser extremen Gewalt war es fast unmöglich, sich zu verteidigen; einmal angeklagt, war die Verurteilung fast sicher. Die Todesstrafe, in der Regel der Scheiterhaufen, hatte sowohl eine strafende als auch eine abschreckende Funktion und verwandelte diese Hinrichtungen in öffentliche Spektakel, die der Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung dienten.
- Schätzungen zufolge gab es in der Schweiz zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert etwa 10.000 Hexenprozesse.
- Die ersten großen Prozesse fanden in den Kantonen Wallis, Freiburg und Waadt statt.
- Im Rahmen dieser Prozesse sollen etwa 6 000 Hinrichtungen stattgefunden haben.
- 70–80 % der Angeklagten waren Frauen. 20–30 % waren Männer und Kinder.
- Die letzte Hexe Europas wurde 1782 in Glarus hingerichtet.
- Die Prozesse beginnen und enden in der Schweiz.
4. Sommet du donjon – Der tollkühne flieger seinem komischen apparat

Seit jeher träumen die Menschen davon, wie Vögel fliegen zu können. 1900 ist dieses Ziel fast erreicht, und die Pioniere der Luftfahrt wetteifern darum, den Himmel zu erobern. Wem wird es als Erstem gelingen, eine Flugmaschine zu bauen?
Ferdinand Ferber ist der Sohn des Besitzers von Schloss Rue. Dieser Hauptmann der französischen Armee war schon immer vom Himmel fasziniert und träumt davon, sein eigenes Fluggerät zu erschaffen. Bei seinen Aufenthalten in der Region unternimmt er zahlreiche Flugversuche mit Gleitern ab dem Schloss Rue.
Heute macht er sich daran, sein erstes motorisiertes Luftfahrzeug zu testen. Die Maschine ist bereit abzuheben, helfen Sie Ferdinand dabei, sie zu starten!
ERZÄHLE MIR ETWAS ÜBER DEN ERSTEN FLUG IN EUROPA…
Ferdinand Ferber, geboren 1862 in Frankreich, ist ein Pionier der französischen Luftfahrt, der Beobachtungen und Versuche durchführt, und hat Veröffentlichungen über die Anfänge der Luftfahrt verfasst. Als er bei seinem Vater Ernest Ferber zu Besuch ist, dem zu der Zeit das Schloss gehört, versucht er am Sonntag, dem 24. Oktober 1898, nachmittags einen Fallschirm (Gleitschirm) vom höchsten Fenster des Schlosses fliegen zu lassen. Dieser Fallschirm wiegt 30 kg bei einer Spannweite von 8 m und einer Tragfläche von 25 m2.
Überzeugt davon, dass das Fliegen für den Menschen möglich ist, versucht er am 30. September 1899, auf der Wiese am Schloss beim Ort namens Cheneveirettaz ein anderes Luftschiff (Segelflugzeug) fliegen zu lassen, das von einem galoppierenden Pferd gezogen wird.
1906 führt er den ersten Flug in Europa durch, bei dem er über die Stadt Rue hinweg fliegt.
Dieser «Margeritenmäher», wie man die Flugpioniere auf Französisch scherzhaft nannte, verwendet bei Flugwettbewerben im Ausland das Pseudonym Ferdinand «de Rue». Er kommt am 22. September 1909 bei einem Fliegertreffen im nordfranzösischen Boulogne-sur-Mer ums Leben, als ihn der Motor seines Luftschiffes erschlägt, nachdem es den Boden berührt hatte.
5. Cave des chevaliers – Das Duell

Das Anwesen Maison de Prez, das auf den Fundamenten eines noch älteren Hauses errichtet wurde, steht seit dem 14. Jahrhundert im Ortszentrum.
Wir befinden uns im Rittersaal zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Das Haus ist seit mehreren Generationen im Besitz der Familie de Maillardoz, die zwei Edelmänner aus der Region eingeladen hat, um dort einen Streit beizulegen.
Und jetzt, schweigen Sie still! Sie werden einem Ehrenhandel beiwohnen.
ERZÄHL MIR DAS MAISON DE PREZ…
das Anwesen besteht aus einem grossen Haus im Süden und einer gegenüberliegenden Scheune mit Stallungen. Es handelt sich um eines der seltenen Gebäude in Rue, die seit dem 18. Jahrhundert nicht umgebaut wurden. Die Hauptfassade des Gebäudes war die Residenz der Familie de Prez, bevor die Familie Maillardoz hier lebte. Sie trägt das Wappen beider Familien:
- Wappen der Familie de Prez, ein hervorkommender Löwe und ein haltender Engel auf einer gemeisselten Molasseplatte.
- Wappen der Familie Maillardoz, zwischen den Fenstern der Stockwerke, mit verwitterten Waffen.
Auf Richard de Prez geht die Gründung der Kapelle Saint-Nicolas in Rue zurück, die 1622, mit der Anerkennung des Bischofs von Lausanne, zur Gemeindekirche von Rue wurde.
Das Anwesen Maison de Prez gehört heute der Familie Crausaz, und das schon seit mehreren Jahren.





