Am 22. Juni 1476 wurde Murten zum Schauplatz einer der entscheidenden Auseinandersetzungen der Burgunderkriege.
Was als Belagerung begann, endete in einer vernichtenden Niederlage für Herzog Karl der Kühne – und machte die Eidgenossenschaft endgültig zu einem ernstzunehmenden Machtfaktor in Europa.
Ein Machtkampf im Herzen Europas
Karl der Kühne herrschte über ein weit verzweigtes Burgunderreich, das sich von der Nordsee bis beinahe ans Mittelmeer erstreckte. Zwischen dem französischen König Ludwig XI. und dem Heiligen Römischen Reich unter Kaiser Friedrich III. eingeklemmt, verfolgte er ein ehrgeiziges Ziel: die Erhebung zum König.
Doch auf seinem Weg standen Bern und die Eidgenossen.
Bereits im März 1476 hatte Karl bei Grandson eine empfindliche Niederlage erlitten. Anstatt aufzugeben, sammelte er erneut ein Heer und zog durch das Broyetal Richtung Bern. Sein Zwischenziel: Murten
Murten unter Belagerung
Mitte Juni 1476 erreichte Karl mit rund 25 000 Mann die Stadt. Den etwa 2000 Verteidigern unter Adrian von Bubenberg war er zahlenmässig weit überlegen. Dennoch leisteten sie erbitterten Widerstand.
Die über 200 Jahre alte Stadtmauer bildete das entscheidende Hindernis zwischen Angreifern und Verteidigern. Am 18. Juni begann der gezielte Beschuss unter der Leitung von Jakob von Savoyen, Graf von Romont und bereits damals ehemaliger Stadtherr Murtens. Trotz schwerer Angriffe hielt die Stadt stand.
Karl wusste, dass jederzeit eine eidgenössisches Hilfstruppe eintreffen konnte. Zum Schutz seines Lagr beim sogenannteers liess en Grünhag eine Feldwache errichten – eine mit Waffen bestückte Palisade. Von seinem Hauptquartier auf dem „Bois Domingue“ (heute Bodemünzi) beobachtete er sowohl die fortschreitendeBelagerung als auch das mögliche Herannahen der Eidgenossen.
Die Wende am 22. Juni
Dann geschah, womit Karl gerechnet – aber offenbar nicht ausreichend vorbereitet hatte:
Das eidgenössische Heer erschien und griff überraschend an.
Der Angriff traf die Burgunder unvorbereitet. Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich das belagernde Heer in eine fliehende Masse. Die Niederlage war vollständig. Karl gelang die Flucht – doch sein Ansehen erlitt einen entscheidenden Schlag.
Kein Jahr später, am 5. Januar 1477, fiel er in der Schlacht bei Nancy. Sein Traum vom Königtum endete auf dem Schlachtfeld.
Ein zeitgenössisches Sprichwort fasste sein Schicksal später so zusammen:
"In Grandson verlor er das Gut - in Murten den Mut und in Nancy das Blut"
Erinnerung an die Schlacht
Die Schlacht von 1476 ist bis heute im Landschaftsbild und im kulturellen Leben Murtens sichtbar.
- Obelisk in Meyriez
1822 errichtete der Kanton Freiburg einen Obelisken zum Gedenken an die Gefallenen. Er steht an der Stelle eines ehemaligen Beinhauses, das 1798 zerstört wurde. - Bodemünzi (Bois Domingue)
Auf dem „Feldherrenhügel“ hatte Karl sein Hauptquartier. Informationstafeln vor Ort erläutern die historischen Zusammenhänge. Vom Aussichtspunkt Tournaletta ist dieser Hügel im Süden der Stadt gut sichtbar. - Museum Murten
Eine moderne Multimedia-Inszenierung im Museum Murten veranschaulicht Ablauf und Bedeutung der Schlacht. - Solennität & Murtenschiessen
Traditionelle Gedenkfeiern erinnern jährlich an den Sieg der Eidgenossen.
Noch nicht genug?
Unser Angebot „Schlacht bei Murten“ führt Sie zu den Originalschauplätzen der Ereignisse von 1476 – von der Stadtmauer zum Bodemünzi.
Region Murtensee / Région Lac de Morat
Hauptgasse 27
3280 Murten








