Schneeschuhe an den Füssen – auf geht’s zum winterlichen Wanderglück in der Region Freiburg

  1. Schneeschuhwandern für Einsteiger
  2. Les Paccots, Lieblings-Wintersportgebiet vieler Waadtländer
  3. Region La Gruyère, sprich Greyerzerland
  4. Schneeschuhtouren mit professionellem Wanderleiter
  5. Schwarzsee, zuhinterst im deutschsprachigen Senseland

Schneeschuhwandern für Einsteiger

Schneeschuhe sind trendig, Schneeschuhwandern ist so herrlich einfach. Wenig Ausrüstung, wenig Technik und etwas Kondition reichen, und schon fühlt man sich wie ein Trapper und dem Abenteuer nahe. Den Faktor Abenteuer sollte man jedoch bewusst dosieren, um den Wintergenuss mit Sicherheit zu verbinden.

Schneeschuh-Einsteiger befolgen diese Tipps:

  • Mit einem Guide oder einer geführten Gruppe laufen
  • Auf signalisierten Schneeschuh-Trails laufen
  • Genug Zeit einplanen und sich nicht überforder
  • Sich über Schneeverhältnisse und Wetter informieren
  • Nicht alleine losmarschieren

Geübte und wintererprobte Bergsportler, die sich auf Schneeschuhen abseits der signalisierten Routen bewegen möchten, müssen dieselben Vorsichtsmassnahmen treffen wie Skitourenläufer. Insbesondere haben sie die aktuellen Informationen zur Lawinengefahr zu konsultieren, etwa auf der Website des SLF (Institut für Schnee- und Lawinenforschung).

Schneeschuhwandern: Die sanfte Wintersportart ist gesundheitsfördernd. Man geniesst frische Luft, Wintersonne, Bewegung. Was dem Kreislauf gut tut, empfindet auch die Psyche als Wohltat. Nicht umsonst empfehlen sämtliche Ratgeber, sich auch im eher licht- und sonnenarmen Winter im Freien zu bewegen. Anti-Depressivum und Pro-Resilienz.

Signalisierte Schneeschuhrouten

Schneeschuhtouren in der Region Freiburg gibt es für jedes Niveau, jede Leistungsstärke und jedes momentane Bedürfnis. Die Tourismusorte kennen ihre lokal-regionalen Routen am besten, viele signalisieren diese auf ihre Art.

Die schönsten Tourenvorschläge hat auch SchweizMobil übernommen und kennzeichnet sie zusätzlich mit lilafarbenen Pfosten und den Routen-Nummern als Schneeschuh-Wanderung.

Die Freiburger Voralpen sind prädestiniert für diese Spielart des sanften Wintertourismus. Liebliche Landschaften vor oft sehr imposanten Kulissen laden zum Anschnallen der Schneeschuhe ein. Viele der im Sommerhalbjahr für die Alpwirtschaft und als Wanderwege genutzte Pfade führen auf Alpen, Weiden und zu den typischen Alpchalets. Damit ist ein grosser Teil des Wegnetzes schon gegeben und auch für die winterliche Nutzung geeignet. Verbindungsstrecken oder Varianten werden zusätzlich ausgeschildert, so dass oft eine Rundtour gemacht werden kann.

Signalisiert heisst nicht gepfadet. Bei Neuschnee ist also etwas oder auch deutlich mehr Anstrengung nötig, da man keine Spuren vorfindet. Dafür ist das Naturerlebnis umso schöner!

Die einzelnen Freiburger Ferienorte geben gerne Auskunft über ihre Schneeschuh-Routen. Sie kennen auch die Schneeverhältnisse vor Ort, allfällige Einkehrmöglichkeiten, wissen, wo man Schneeschuhe mieten kann und haben weitere praktische Tipps auf Lager.

Für Schneeschuhtouren in den Freiburger Voralpen teile ich hier gerne ein paar Erfahrungen:

Les Paccots, Lieblings-Wintersportgebiet vieler Waadtländer

5 signalisierte Schneeschuhrouten haben die Verantwortlichen von Les Paccots und Rathvel signalisiert.

Die Schneeschuhroute Nr. 9 Corbetta (entspricht SchweizMobil Route Nr. 267)

So entspannt ist es hier! Zum Restaurant fährt man mit dem Auto, parkiert unmittelbar vor der Eingangstüre und geniesst das Hiersein. Fondue schon vor dem Mittag, pourquoi pas?

© Schweiz Tourismus / Lorenz Richard

Hier und heute ist es genau so: Es dampft aus dem Caquelon, während die Gäste sich mit Sonnenbrillen gegen das Gleissen der Wintersonne schützen. So sieht ein Wintermittag auf der Terrasse des Restaurant Les Rosalys (1119 m) ausserhalb von Les Paccots aus.

Auf der Speisekarte stehen all die Köstlichkeiten des Terroir Fribourg, für welche die Region bekannt ist: Fondue moitié-moitié, Bergsuppe, Meringues mit Doppelrahm etc. Die Gäste sind vor allem Spaziergänger, aber auch ein paar Skifreunde, denn der Lift Le Pralet startet gleich nebenan. Ich parkiere meine Schneeschuhe,  begnüge mich aber mit einem Kaffee, denn es gilt, die Sonnenstrahlen auch auf dem Schneeschuhpfad zu nutzen.

Meine Tour heisst «Corbetta», dessen Gipfel mit 1401 m.ü.M. zwar für einen kleinen Berg, aber für ein grossartiges Panorama steht.

  • 7 Kilometer Distanz
  • 370 Höhenmeter auf- und abwärts
  • 3 – 3,5 Stunden Marschzeit total (für gemütliche Läufer berechnet)

Lila Markierungsschilder mit einem sehr zufrieden lächelnden Comic-Männchen – etwa ein Schneeschuh-Schlumpf? – führen mich in den tief verschneiten Wald hinein. Die zwischen den hohen Fichten einfallenden Sonnenstrahlen sorgen für eine märchenhafte Atmosphäre. Ich folge dem gut vorgepfadeten Weg und wende mich nach rechts Richtung Les Joncs (1,5 Kilometer, 30 Minuten).

Diese kurze Strecke wird auch von Spaziergängern ohne Schneeschuhe gerne begangen … wohl auch deshalb, weil am Anfang und am Ende eine schöne Restaurantterrasse lockt. Über die Festtage präsentieren sich die Tännchen am Wegrand zudem mit bunten Weihnachtskugeln geschmückt.

Der präparierte Spazierweg durch den Wald endet in Les Vérollis, wo drei Skilifte und ein Übungslift starten, die Skischule ihre Station hat und sich der Parkplatz gleich am Pistenrand befindet. Ganz klar, das kleine, aber feine Skigebiet Les Paccots mit den Kinderskischulen ist insbesondere für Waadtländer vom Lavaux bis Lausanne ein äusserst familienfreundliches Naherholungsgebiet.

Zügig durchquere ich die kleine Ebene und lass alle Infrastruktur hinter mir … Wildnis pur. Und lese die Tierspuren im Schnee neben dem Schneeschuhpfad … da ist eindeutig ein Hase vorbeigehoppelt, von der anderen Seite die unverwechselbare Schnür-Spur eines Fuchses. Beide Spuren führen unter ein schneebedecktes Tännchen. Was ist da wohl passiert? Schlicht ein Gute-Nacht-Sagen von Fuchs und Hase? Blut entdecke ich jedenfalls keines, vermutlich legten die Tiere ihre Spuren nicht gleichzeitig.

Nach der kurzen Waldpassage trete ich raus ans Licht … eine sonnengeflutete Lichtung präsentiert sich vor mir. Linkerhand gucken die spektakulär schroffen Felswände des Vanil des Artses (1991 m) hervor. Ein erster Wow-Moment! Der Weg ist pures Glück.

Dann zweigt die Schneeschuhroute rechts ab und steigt durch ein Waldstück bergan bis zur nächsten Lichtung. Auch wenn ich mit den Schneeschuhen nicht einsinke, der voll südwärts exponierte Hang verlangt mir ein paar Schweisstropfen ab. Ich beschliesse, mir beim Alpchalet La Mayetta (1275 m) eine Rast zu gönnen und mein Sandwich auszupacken.

Der Blick zurück ist grandios, zudem sind nun auch die steilen Freiburger Bergschönheiten Dent de Lys (2014 m) und Teysachaux (1909 m) in mein Blickfeld gerückt. Der erste ist Steinbockland und sehr erfahrenen Berggängern vorbehalten, den zweiten kenne ich von einer anspruchsvollen Sommertour her. Die Sonne gleisst, und die vom Dach fallenden Tropfen üben eine fast hypnotische Wirkung auf mich aus.

Der Schneeschuhpfad führt bergan zum nächsten Chalet namens Vuichouda und in einer leichten Drehung auf die Krete. Vorhang auf! Der Genfersee liegt mir zu Füssen! Allerdings heute im Schönheitsschlaf unter einer flauschig wirkenden Nebeldecke.

Der Gipfel der La Corbetta (1401 m) selbst ist unspektakulär, dafür mit freiem Blick nach Westen und einem Holztisch zum Picknicken ausgestattet. Ich teile das Gipfelglück mit ein paar weiteren Schneeschuhwanderern und einer Skitourenläuferin. Dann trete ich über den Grat von Corbetta den Rückweg an. Zwei einheimische Geniesserinnen haben sich beim Skilift La Cierne zu einem Fondue aus dem Rucksack niedergelassen. Wie recht sie haben!

Diese coole Idee des «mobilen Fondues» hat auch das Tourismusbüro von Les Paccots in ein Angebot gepackt: Das Schneeschuh-Fondue-Erlebnis ist perfekt für Individualisten, die zu zweit, als Familie oder im Freundeskreis auf die Schneeschuhrouten gehen. Im Fondue-Kit ist alles drin, was es zum genussreichen Fondueplausch unter freiem Himmel braucht. Ein lauschiges Plätzchen findet sich immer. Nie und nirgendwo sonst schmeckt ein Fondue moitié-moitié besser als hier, in der Heimat der Käsesorten Gruyère AOP und Vacherin Fribourgeois AOP.

Mein Schneeschuhpfad lotst mich am Skilift vorbei talwärts. In den steilen Lichtungen bewundere ich nochmals das Glitzern in den verschneiten Tannen. Mystisch schön! Ich bin nun ganz allein unterwegs. Und doch ist die Stille nicht absolut. Der Wald lebt, da lädt ein Ast seine stiebende Schneelast ab, dort knackt etwas, Vögel zirpen. Meine Sinne sind ganz wach. Auch das ist erquickend und schön!

Zurück in Les Vérollys schliesst sich die Runde. Zum wohlverdienten Zvieri hat man die Wahl zwischen der Auberge du Lac des Joncs oder dem Restaurant Les Rosalys, eine Viertelstunde weiter am Ausgangspunkt meiner La Corbetta-Schneeschuhtour Nr. 9, sprich SchweizMobil Route Nr. 267. 

Region La Gruyère, sprich Greyerzerland

Die Auswahl an möglichen Schneeschuhrouten in der Region La Gruyère ist so gross wie im gut sortierten Käseladen. Alle sind gut, aber welche schmeckt uns jetzt am besten? Wir überlassen es daher der einheimischen Begleiterin Marie-Christine, uns eine Tour auf Schneeschuhen mit typischem Greyerzer Charakter vorzuschlagen.

© Pascal Gertschen

Schneeschuhtour L’Auta Chia

Der Parcours L’Auta Chia im einsamen Vallée du Javro unweit von Charmey soll es sein. SchweizMobil kennzeichnet diese Rundtour als Schneeschuhroute Nr. 288.

Wir entscheiden uns – Privatauto sei Dank – für eine abgekürzte Variante. Dafür nehmen wir uns bei der Anfahrt die Zeit für einen kurzen Augenschein in der öffentlich zugänglichen Kapelle des Klosters La Valsainte.

Dieses einzige noch aktive Kartäuserkloster der Schweiz kann nicht besucht werden, die gut 15 Mönche leben sehr zurückgezogen und bei nahezu absolutem Schweigen. Eine Infotafel erklärt die Geschichte dieses speziell sittenstrengen Ordens, der seine Spiritualität auf «Solitude» (soli Deo, seul en Dieu) aufbauen. Solitude (französisch= Einsamkeit) findet man in diesem Tal tatsächlich.

Unser Start ist weiter hinten im Tal beim Parkplatz «Les Plans» auf 1098 m.ü.M., unser Ziel oder geografischer Höhepunkt heisst L’Auta Chia d’Amont auf 1456 m.ü.M. Von da kehren wir auf demselben Weg zurück.

  • Zirka 7 Kilometer
  • 450 Höhenmeter auf- und abwärts
  • 3 – 3,5 Stunden reine Marschzeit, gemütlich berechnet
  • KEIN Restaurant und kein Alpbeizli entlang der Route (ausser neuerdings die Buvette de l’Hauta Chia am Wochenende und täglich vom 26. Dezember bis 1. Januar, reservieren unter Tel. 026 927 26 96)

Kaum sind die Schneeschuhe angeschnallt, erreicht die Sonne auch diesen entlegenen Winkel des Tales. Schöner könnte das Zeichen zum Start nicht sein! Eine Infotafel, speziell für Schneeschuhtouren, verschafft nochmals Überblick über die Möglichkeiten. Wir stapfen den lilafarbenen Pfosten (SchweizMobil Route Nr. 288) entlang recht steil über eine Alpweide bergan.

Nach gut 20 Minuten haben wir unsere «Reise-Flughöhe» erreicht und laufen entspannt und nur noch sanft ansteigend weiter. Ein herrliches Panorama verwöhnt uns. Auf der gegenüberliegenden Talseite und noch im Schatten liegt die malerische Hochebene Pré de l’Essert mit ihrer Kapelle und dem Sessellift La Scie des Skigebiets Charmey. Darüber erkennen wir die Bergstation und den Gipfel Vounetse (1626 m) sowie die Gebirgskette Les Dents Vertes.

Weit vor uns zeichnet sich am Horizont der Balisa-Pass ab, der im Sommer bei Wanderern und Mountainbikern beliebte Übergang nach Schwarzsee. Im Winter herrscht dort Lawinengefahr, das Tal ist also eine Sackgasse. Dort oben entspringt auch der Fluss Javro, der im Oberlauf Rio Grattavache genannt wird. Lustiger Name übrigens … Der Wortteil «Vache» entstammt bestimmt dem französischen Namen für Kuh/Rind, «gratter» bedeutet kratzen …

Beim Alpchalet Les Féguelenets (1269 m) halten wir kurz Rast und lassen den Blick talauswärts schweifen. Da stiehlt der Berg Moléson (2002 m) allem andern die Show. Der wuchtige Klotz, übrigens ganzjährig der beliebteste Freizeitberg der Freiburger, thront mächtig über dem Greyerzerland.

Wir ziehen weiter, Schneeschuh vor Schneeschuh, und treten in die Kühle eines schönen Waldes. Wir fühlen uns geschützt und glücklich inmitten der regenerierenden Natur. Die Wälder dieses Tales gehören zu einem grossen Teil dem Kloster Valsainte, dessen Mönchen früher selbst die schweren Holzarbeiten eigenhändig ausgeführt hatten. Vielleicht haben sie auch die Pfade und Brücklein über die Ruisseaux (kleine Bäche) angelegt, über welche wir heute zum puren Genuss wandern.

Nach dem Alpchalet La Guisolanda (1407 m) fehlt noch ein letztes, beinahe flaches Wegstück, und unser Ziel L’Auta Chia d’Amont auf 1456 m.ü.M. ist erreicht. Welch ein Panorama! Die  neuerdings auch im Winter bewirtete Alp (nur an Wochenenden, sowie täglich vom 26. Dezember bis 1. Januar) sitzt in einer kleinen Senke. Dahinter erblickt man in der Ferne den Jura. Linkerhand könnte man über einen Grat in gut 1,5 Stunden auf den Gipfel La Berra weiterlaufen. Rechts führt die SchweizMobil-Route Nr. 288 weiter und kehrt dann in weitem Bogen mit zahlreichen Extra-Kurven zurück zum Ausgangspunkt.

Für einmal nehmen wir das Angebot eines Rundkurses nicht an, sondern kehren auf demselben Weg zurück. Er ist so schön!  

Schneeschuhtouren mit professionellem Wanderleiter

Viel Mehrwert bietet eine professionell geführte Schneeschuhtour, da man vom Erfahrungsschatz der meist einheimischen Wanderleiter profitiert. Im grossen Angebot der Region La Gruyère finden sich auch wahre Perlen, sprich thematische Schneeschuhtouren. Ich habe mich dazu mit dem Schneeschuhwanderleiter Christophe Aebi unterhalten.

Interview mit Schneeschuh-Wanderleiter Christophe Aebi zur Schneeschuhtour mit Wildtier-Spurensuche

Deine Firma Emotion-Nature bietet ab La Berra im Winter auch geführte Schneeschuh-Exkursionen mit Tierspurensuche an. Wer kann da teilnehmen?

Christophe Aebi: Wir haben deutsch- und französischsprachige Gäste, deren gemeinsamer Nenner die Liebe zur Natur und das entsprechende Interesse ist. Die Exkursion dauert von ca. 9.00 bis 15.00 Uhr, die reine Schneeschuh-Marschzeit beträgt jedoch nur etwa 2,5 Stunden. Kürzlich war eine Person mit dabei, die zum ersten Mal Schneeschuhe an den Füssen hatte, auch das war überhaupt kein Problem.  

Wann finden diese Exkursionen in der Regel statt?

Christophe Aebi: Die Planung ist etwas schwierig, da wir für die Suche nach Wildtierspuren im Schnee auf gute Schneeverhältnisse angewiesen sind. Gut heisst für uns: Direkt nach dem Schneefall oder wenige Tage danach. Während des Schneefalls finden wir keine Spuren. Kommen wir zu spät, sind die Spuren nicht mehr klar lesbar. Manchmal fällt der Entscheid zur Durchführung also kurzfristig. Am besten prüft man jeweils die Website. Da kann man eine Nachricht hinterlassen und sich direkt anmelden.

Wieso startet die Spurensuche auf dem Gipfel von La Berra?

Christophe Aebi: Zum einen haben wir mit der Kombibahn, einem Mix von Sessel- und Gondelbahn, ideale Bedingungen für die Anfahrt auf die schneesichere Höhe von 1719 m.ü.M. Weiter geniessen die Gäste von diesem Ausgangspunkt eine einmalig schöne Aussicht. Für mich bietet La Berra – vielleicht zusammen mit dem Moléson – das wohl schönste Panorama im Kanton Freiburg. Und drittens können wir uns dank Schneeschuhen innert wenigen Minuten vom Trubel rund ums Bergrestaurant in die wunderbare Stille der Wildruhezone hineinbewegen.

Dürfen Schneeschuhwanderer die Wildruhezone betreten?

Christophe Aebi: Nur auf den offiziell erlaubten Routen, welche vom Gipfel La Berra ein Stück weit durch die Wildruhezone in den Plasselbschlund oder zur Talstation der Bahn nach Le Brand führen. Innerhalb der Zone darf man den Trail nicht verlassen, und Hunde müssen zwingend an der Leine geführt werden. Zwei Wanderleiter-Kollegen auf La Berra amten im Winter übrigens als Ranger, unter anderem mit der Aufgabe, die Ruhe in der Zone zu überwachen und allfällig anwesende Touristen zu beraten.

Welche Spuren habt Ihr beispielsweise im Januar entdeckt?

Christophe Aebi: Wir haben Fussabdrücke von Birkhähnen und Birkhühnern sowie etwas Kot gesehen, und zu guter Letzt sogar einen Birkhahn auf einer Tanne erspäht. Diese Sichtung war allerdings eine Ausnahme, da es an diesem Tag relativ warm war. Bei Minustemperaturen graben sich diese Vögel ein Schneeloch und ruhen dort tagsüber im überlebenswichtigen «Energiesparmodus». Einzig in den Dämmerstunden bewegen sie sich zur Futtersuche in den Alpenrosen-Büschen. Es ist also überaus wichtig, sie nicht zu stören, indem man etwa kreuz und quer herumläuft.

© Susi Schildknecht

Rund um eine im Winter leerstehende Alphütte finden Wildtiere immer wieder mal einen Happen Nahrung. So haben wir dort besonders viele Spuren entdeckt:

  • Marder
  • Wühlmaus (Campagnol)
  • Fuchs
  • Schneehase, im Winter mit weissem Fell
  • Hermelin, im Winter ebenfalls mit weissem Fell, das im Frühling wieder braun wird
  • Eichhörnchen, sowohl Frassspuren von Tannzapfen sowie Fussabdrücke

Was lässt sich aus den Tierspuren lesen?

Christophe Aebi: Die Spuren sagen beispielsweise aus, wie ein Tier auf Futtersuche geht. Der Fuchs etwa legt nachts grosse Strecken zurück, dabei bewegt er sich planlos und schaut, was er zufällig findet. Er ist ein sogenannter Opportunist, seine Spur verläuft also nicht geradeaus. Ganz anders der Schneehase: Er zieht zielgerichtet los und hoppelt auf direktem Weg von A nach B.

Weiter lassen die Spuren im Schnee meist eine Hypothese zu, warum ein Tier hier unterwegs war. War es auf der Suche nach Schutz, nach Nahrung oder auf der Flucht? Tierspuren erzählen also eine Geschichte, denn gerade im Winter bewegen sich Wildtiere ganz sicher nicht zum Vergnügen durch den Schnee.

Wie profitieren die Schneeschuh-Wanderer sonst noch von Dir als Wanderleiter?

Christophe Aebi: Dank meinem Wissen kann ich ihnen auch rätselhaft anmutende Spuren erklären. Auf unserer letzten Schneeschuh-Exkursion haben wir die Jagdzone eines Fuchses entdeckt. Da sich Mäuse gerne in einem schmalen, leicht wärmeren Hohlraum zwischen Boden und Schneeschicht bewegen, bewegt sich der Fuchs ebenfalls in diesem Gebiet. Er riecht die Mäuse durch den Schnee und hechtet mit einem anmutigen Sprung kopfvoran in den Schnee. Eine komplexe Jagdleistung, da er ja auch Richtung und Distanz der Maus und seinen «Köpfler» punktgenau kalkulieren muss! Das Eintauch-Loch sieht recht lustig aus.

Welchen Tipp betreffend Spuren gibst Du als Schneeschuh-Wanderleiter den Gästen?

Christophe Aebi: Man soll die Wildtierspuren nicht verfolgen, um das Tier nicht zu stören. Ausserhalb einer Wildruhezone kann man der Spur in umgekehrter Richtung nachgehen und so vielleicht ergründen, woher das Tier kam. Eventuell findet man so einen Schlaf- oder einen Fressplatz.

Eine derartige Schneeschuhtour belohnt die Gäste sicher mit viel Emotionen?

Christophe Aebi: Ja, die Schneeschuh-Wanderer sind in der Regel sehr berührt vom Erlebten. Sie erfahren auf eindrückliche Art und Weise, wie zerbrechlich das Gleichgewicht in der Natur ist, gerade auch für die kleinen Tiere im Winter. Es geht buchstäblich um Leben und Tod. Und ich empfinde es als Privileg, diese Naturfreunde beim Spurenlesen näher an die Natur heranführen zu können, sie für diesen Überlebenskampf zu sensibilisieren und das ohne unsere Wildtiere zu stören.

Schwarzsee, zuhinterst im deutschsprachigen Senseland

Das Dorf Schwarzsee am gleichnamigen See ist Ausgangspunkt für vielerlei Wintersport-Aktivitäten. An einem schönen Tag im Dezember will ich meine Tochter Elena (18) in das Schneeschuh-Laufen einführen. Also soll es eine optisch schöne und motivierende Schneeschuh-Wanderung sein, die technisch nicht allzu anspruchsvoll ist. 

© Switzerland Tourism / Nicole Schafer

Schneeschuhtour Riggisalp-Trail

Ich entscheide mich für den Riggisalp-Trail, den Aufstieg vom Parkplatz Gypsera bei der Talstation (1046 m.ü.M.) hinauf zur Bergstation der Kaiseregg-Sesselbahn auf 1510 m.ü.M..

  • Zirka 5 Kilometer
  • 500 Höhenmeter aufwärts
  • 2 Stunden reine Marschzeit, gemütlich berechnet
  • Unterwegs keine Einkehrmöglichkeit, aber am Ziel lockt das Bärghuus Riggisalp

Schneeschuh-Miete

Die Schneeschuhe für Elena mieten wir im Sportgeschäft Side Cut gleich an unserem Ausgangspunkt, wo übrigens auch die Skischule ihren Versammlungsplatz hat und wo die Sesselbahn-Talstation ist. Die Schneeschuhe der Marke MSR lassen sich hier übrigens auch ohne Tour unverbindlich testen.

Dann kann es losgehen. Wir überqueren die Skipiste und marschieren auf dem lilafarben markierten Trail bergwärts. Uii! Der anfangs doch recht steile Weg ist ja blankes Eis! Ich verdrehe nur innerlich meine Augen, Elena gegenüber mime ich totale Zuversicht.

Ich verspreche ihr, dass die seitlichen Zacken ihrer Schneeschuhe auch auf dem Eis für genügend Halt sorgen. Nur ganz normal, sprich mit vollem Gewicht, auftreten und dem Schneeschuh vertrauen! Es funktioniert, wir rutschen kein einziges Mal. 

Um die Achilles-Sehnen und unsere Waden zu entlasten, aktivieren wir die Steighilfe unserer Schneeschuhe. Einfach den metallenen Bügel unter dem Fuss hochklappen und einrasten, und schon fühlt sich das steile Wegstück an wie eine Treppe. Easy!

Inzwischen sind wir in den Wald eingetreten, wo der Weg flacher und weniger vereist ist, und wir gewinnen rasch an Höhe. Bald überblicken wir von einer Lichtung aus den zugefrorenen Schwarzsee mit seinem attraktiven Schilfgürtel. Wie schön er in Hügel und Berge eingebettet daliegt! Vor uns erblicken wir einige der stolzen Berggipfel, welche die Urlandschaft Breccaschlund umgeben: Spitzfluh, Chörblispitz und andere.

Nach knapp zwei Kilometern haben wir das Unter Bödeli auf 1239 m.ü.M. erreicht. Eine hübsch aufgeschichtete Scheiterbeige verführt uns zum «Fensterlen». Dann drehen wir links ab und kehren dem Schwarzsee unsere Rücken zu. Schritt um Schritt steigen wieder im eigenen Rhythmus etwas steiler zur Alp Mitzlere (1386 m.ü.M.) auf.

Nun befinden wir uns auf einer wunderschön besonnten Hochebene, die geradeaus zum Euschelspass und weiter Richtung Jaun führen würde. Wir aber halten uns wieder links und folgen dem mit lilafarbenen Schneeschuh-Tafeln signalisierten Pfad weiter bergwärts.

Vertrocknete Strünke von Gelbem Enzian ragen aus dem Schnee. Im Übrigen sind es einzig ein paar lockere Gruppen von Fichten, welche die Schneeflächen sprenkeln. Noch ein letzter kurzer Aufstieg auf dem Schneeschuhtrail, dann sind wir draussen auf einem Bergrücken. Welch ein Panorama!

Hinter uns erhebt sich der mächtige Hausberg der Einheimischen, die imposante Kaiseregg (2185 m.ü.M.). Jenseits des Schwarzsees erhebt sich der Fuchses Schwyberg (1626 m.ü.M.) wohin ebenfalls eine schöne Schneeschuhtour ab Schwarzsee führt. Eine Weile saugen wir die herrliche Rundumsicht auf die Freiburger Voralpen in uns auf, dann lockt das Bärghuus Riggisalp.Ein Blick noch auf den Fahrplan der Sesselbahn, damit wir nicht die letzte Talfahrt verpassen (meist um 16.30 Uhr). Elena empfindet ihre Première auf Schneeschuhen als überaus geglückt, und damit bin auch ich mehr als zufrieden. Dann gehört unsere Aufmerksamkeit ganz der Speisekarte. Mmmh, das liest sich lecker! Vielleicht ein Fondue moitié-moitié, damit wir nach dem Schneeschuh-Erlebnis auch noch die wohl verdiente Stärkung teilen?

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